Portrait von Claudia Redlhammer
 

Wort und Sprache

WORT-GEWALT


erstellt am 07.03.2013

„In principio erat verbum“- Am Anfang war das Wort.(Joh 1.1)

Wir benützten Sie je nach Lebenslage, nach Charakter und Bildung andauernd und meist wohl gedankenlos. Unsere Sprache.
Worte gliedern und arrangieren unsere Welt. Sie kanalisieren  unser Denken, erzeugen Erwartungen an denen wir meist zerbrechen werden und drücken, wenn wir dies gelernt haben, auch unsere Gefühle aus. Worte sind wunderbar dafür geeignet die Realität zu verschleiern aber auch genauso gut um die Wahrheit und deren Zusammenhänge zu enthüllen. Oft erscheint mir unsere Sprachwelt wie ein Dschungel, manchmal undurchdringlich und oft so klar, dass ich vor Begeisterung verstumme.
Schon in meinen frühen Teenagerjahren begann der Zauber des Wortes in mir lebendig zu werden. Gedichte ordneten zu dieser Zeit mein Leben und als ich ein Gedichtband von Emily Dickinson(1830-1886) in die Hände bekam, begann ich Worte zu lieben. Vorerst die Worte von dieser US-amerikanischen Dichterin, eine Eigenbrötlerin die sich meist mit sich und für sie bedeutungsschweren Worten in ihrem Zimmer einschloss. Ihre Gedichte sind oft nicht zu Ende gedacht, wohl deshalb bin ich Ihnen verfallen.

Ich kenne nichts auf der Welt, das eine solche Macht hat wie das Wort.
Manchmal schreibe ich eines auf und sehe es an, bis es beginnt zu leuchten.
(Emily Dickinson)

Noch am selben Tag begann ich Worte einfach an die Wand zu schreiben. Je stärker diese für mich waren, desto grösser und deutlicher mussten sie für mich sichtbar sein. Ich lernte sie zu fühlen, sprach sie mal laut mal leise vor mich hin. Sie wurden meine besten Freunde und sind es bis heute. Worte haben mich geformt, mich zum Lachen und Weinen gebracht. Zum Denken und Singen. Und wohl auch zu meiner wahren Berufung. Zum Schreiben. Als ich begann meinen ersten Roman zu schreiben hatte ich keinerlei kommerziellen Antrieb.
Ich wollte nur eines mit meinen Worten – ich wollte die Menschen berühren. Ihre Vorurteile zerschmettern, ihre Wahrnehmung schärfen, und Ihren Verstand aufrütteln. Sie sollten mittfühlen und am besten mit mir trauern. Meine Leser sollten meine Ohnmacht spüren und meinen Schmerz. Und erst dann über mich richten.
Ich hatte mir dafür die stärkste Waffe der Menschheit ausgesucht:
Das Wort
>Die Sprache ist eine Waffe<, rief Tucholsky, >Haltet sie scharf<!
Längst bin ich mir bewusst, dass wir nicht nur MIT unserer Sprache leben – wir leben AUS  ihr und VON ihr. Sie formt uns und wir verbrauchen sie! Worte manipulieren uns, sie züchten unsere Vorurteile und steuern unser Verhalten. Es ist dabei völlig egal ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Wenn wir es ganz genau betrachten, dann können wir erkennen:
Mit Worten ordnen wir unsere Welt!
Sie verführen und attackieren uns. Laut und erkennbar durch Befehl, Drohung und Fluch und leise durch Sprachlenkung und gezielte Manipulation. Soviele Worte, soviele Vorurteile, soviel Missbrauch.
Doch auch unendlich viel Zärtlichkeit die durch sie gegeben wird, Geschichten und Gedichte. Mit Worten ist es ähnlich wie mit Händen. Der, der sie benutzt, entscheidet deren Wert, deren Macht und Stärke.
Sehen wir die Sprache doch als einen sozialen Event, der uns das Leben erleichtert und verschönt – durch seine Vielfältigkeit. Denn darin liegt die humane Leistung des Gesagten.
Humane Leistung der Worte werdet Ihr Euch jetzt fragen? Ja, denn auch so etwas Weiches und Wichtiges wie z.b Trost kann durch Gesprochenes geschenkt werden. Wie schon gesagt, der Träger der Waffe bestimmt deren Einsatz!
Bleiben wir bei diesem Beispiel:
Der Trost kann darin liegen das, was wahr ist, auch zu sagen( <ich bin ja so deprimiert, so einsam oder so unglücklich<). Oder auch darin  das, was nicht ist, wenigstens zu sagen (Nächstenliebe ist rar und Selbstlosigkeit im Wortsinn schier unmöglich, und gerade deshalb brauchen wir die Worte dafür). Kein Volk und kaum ein Mensch, kann ohne einen Vorrat an Worten existieren, der Utopien formulierbar macht. Wir schwören <ewige Liebe< weil es sie nicht gibt. Ganz wenigen jedoch gelingt es, die Wirklichkeit dem anzupassen, was sie über eben diese gesagt haben. Das sind die Utopisten mit irdischem Erfolg. Sie wissen ihr Trostmittel in ein Kampfmittel umzuwandeln.
Wäre es nicht zauberhaft zu diesen Utopisten zu gehören? Genau aus diesem Antrieb hab ich begonnen mich von <NLP-Leben in Resonanz< auf die Reise zu mir selbst mitnehmen zu lassen. Ich bin am Weg, mich zum Utopisten mit irdischem Erfolg ausbilden zu lassen.
Kommen Sie ein Stück dieses Weges mit mir.
Willkommen in meiner Welt-  in der Welt der Worte!
Was können wir mit Worten alles anstellen:
Wort- Metapher(Claudia Redlhammer)
Wir schreiben das Jahr 2030…. Europa befindet sich in einem undurchschaubaren Chaos.
70% der Bevölkerung hat keine Arbeit, das gesamte System droht zusammen zu brechen.
Die Politik will die Gunst der Stunde nutzten und Profit aus diesem Debakel schlagen. Deutschland und Österreich sind der Meinung, der Zeitpunkt für einen Krieg könnte nicht besser sein. Doch sie wissen nicht wirklich wofür, oder wogegen sie kämpfen sollen. Die obersten Mitglieder beider Regierungen beschließen, den Krieg und seine Helfershelfer an einen runden Tisch zu holen, um sich zu beratschlagen.
Und so trägt es sich zu, dass alle zu einem großen Brainstorming zusammen kommen.
Die Stimmung ist seltsam bedrückend, nur der Krieg und der Tod sind bester Laune und reiben sich vor Tatendurst die Hände.
Die Propaganda ist wie immer aggressiv, und treibt ihre wichtigsten Handlanger hastig in den Saal. So also sitzen das Wort, das Bild und die Tat als erster am Tisch. Sie scheinen unscheinbar, doch die Geschichte hat schon von jeher gezeigt, wie groß ihre Macht ist. Gebückt betritt die Freiheit den geladenen Ort  und tiefe nicht heilen wollende Wunden lassen ihr Gesicht gequält erscheinen.
Die Logik und das Ziel kommen zum Schluss, ihre Mienen scheinen verunsichert.
Der Deutsche Präsident erhebt sich:
„Meine lieben Freunde, ich, wir haben euch heute hierhergebeten, um die Gunst der Stunde zu nützten und das Ruder herum zu reißen. Österreich und Deutschland, wir wollen die absolute Macht, den totalen Krieg“.
Die Logik erhebt sich und fragt:
„ Und warum wenn ich fragen darf sollen wir den Krieg ausrufen? Mir fehlt der Plan dahinter“?
„HA, nicht der Plan fehlt meine Liebe, sondern ich fehle. Das Ziel fehlt. Niemand kann die Massen bewegen, wenn das Ziel dahinter nicht erkennbar ist, oder gar fehlt“, erklärt das Ziel überheblich. „Ohne mich geht gar nichts“.
Die österreichische Regierungschefin erhebt sich und grinst dem Krieg hämisch zu:
„Aber aber meine Damen und Herren, alles was für einen Krieg brauchen sitzt hier an diesem Tisch. Wir werden wohl gemeinsam einen wirklich guten Grund finden, warum wir diesen Kontinent in den Untergang treiben“.
Die Tür schwingt auf und herein treten hoch erhobenen Hauptes, Hand in Hand, die Macht und die Gewalt.
Vorschläge werden gemacht, Einwände dafür oder dagegen werden eingebracht. Am Ende des Tages erhebt sich das Wort, das bis zu diesem Zeitpunkt stumm auf seinem Stuhl saß und beginnt laut und sehr bedächtig zu sprechen:
„Hört mir gut zu was ich euch sage, denn ich werde es nicht wiederholen.
Zu oft schon wurde ich missbraucht und für Böses benützt. Damit ist jetzt Schluss. Und zwar für immer. Ohne mich seid ihre alle bedeutungslos und handlungsunfähig. Ohne mich ist die Propaganda nicht durchführbar. Ohne mich ist Macht machtlos, und der Tod etwas was uns nicht mehr erschrecken kann. Ohne mich ist Logik nicht begreifbar zu machen und das Ziel eben ziellos und nicht formulierbar. Ohne mich also, gibt es keinen totalen Krieg mein lieber Krieg, ohne mich bist du gar nicht existent. Denn einzig allein die körperliche Gewalt schafft es nicht einen ganzen Kontinent zu zerstören. Dazu braucht ihr alle mich. Das Wort. Die Wortgewalt.
Und ich entziehe euch allen hiermit für immer und ewig meine Mithilfe an bösen und sinnentleerten Unterfangen. Von nun an, werde ich einzig und allein der Freiheit und der Liebe dienen – den wahren Herrschern dieser Welt“.
Es ist still geworden in dem großen Saal. Dem Krieg entfährt ein hysterischer Lacher.
Die Logik findet als erste ihre Sprache wieder:“Genau, sieh sie dir an deine Freiheit. Geschunden und vom sinnlosen Träumen gezeichnet. Sie sieht wirklich aus wie ein großer Herrscher aussehen sollte“.
Das Wort tritt zur Freiheit und ergreift ihre Hand. Zügig und sprachlos verlassen die beiden den Saal.
Mit ihnen verlässt auch die Ohnmacht der“ Zurück- Gebliebenen“ den Raum. Hektisch diskutieren sie, was sie denn jetzt machen sollen. Die ganze Nacht über versuchen Sie Möglichkeiten zu finden, das Wort zu umgehen. Es zu ersetzten oder gar zu wegzustreichen.
Sie kommen zu keinem brauchbaren Ergebnis. Sie müssen sich eingestehen, dass es ohne die Wortgewalt keinen Krieg geben kann.
Denn für den totalen Krieg brauchst du das Wort, die Eigenschaften des Wortes.
Und diese verlassen mit dem Wort die Halle und lassen somit den Kreis der Kriegstreiber  wortlos zurück.
Auf immer und ewig.
Denn sie wissen aus Erfahrung –  das WORT, hat schon immer ihr Wort gehalten!

Ich jedenfalls versuche von Herzen mein Wort zu halten, dass ich mir vor langer Zeit selbst gegeben habe-ich denke bevor ich spreche!
Wünsche Euch von Herzen einen schönen Tag
Claudia


1 Kommentar


  1. berger ulrike schrieb am 19.07.2013

    Danke für die schöne Arbeit mit Ihnen und mir in der Wellasapotheke,mir geht es seither viel besser. Übungen gehen perfekt. Herzlichen dank noch einmal. Liebe grüße Ulrike Berger